Allgemein
Juli 2018
5. Juli 2018
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Weicht von mir, ihr Übeltäter alle; denn der Herr hat die Stimme meines Weinens gehört! Der Herr hat mein Flehen gehört, der Herr nimmt mein Gebet an!

Psalm 6, 9-10

Diese Worte aus einem Psalm Davids sorgen beim Lesen nicht für Verwunderung. Wir kennen David als einen Mann voller Gottvertrauen, der seine Schafe gegen Löwen und Bären verteidigt, den Riesen Goliath mit einer Steinschleuder besiegt und sein Volk erfolgreich gegen Angriffe befeindeter Völker verteidigt. In all dem vertraut er stets auf Gott, der ihm in zahlreichen Gefahren hilft.

Wenn man die beiden Verse allerdings im Kontext des gesamten Psalms liest, so kann man doch sehr überrascht sein von der Dimension des Gottvertrauens, die in Davids Worten zum Ausdruck kommt. Die vorangehenden Verse stecken voller Verzweiflung. „Sei mir gnädig, o Herr, denn ich verschmachte“ ruft David, „meine Seele ist sehr erschrocken“. Er scheint sich von Gott verlassen zu fühlen, was in seiner unvollständigen Frage „und du Herr, wie lange?“ zum Ausdruck kommt und in seiner Bitte, Gott möge doch zurückkehren, um seine Seele zu retten. Darüber hinaus spricht David davon, dass er nachts nicht schläft, sondern vor Kummer und Elend weint.

Mit dieser Vorgeschichte erscheinen die beiden Verse in neuem Licht. Obwohl David an einem Tiefpunkt angelangt ist, aus dem er keinen Ausweg sieht und sich sogar von Gott verlassen fühlt, zweifelt er keinen Augenblick daran, dass Gott sein Flehen hört und handeln wird. Unmittelbar nachdem er seine ganze Hoffnungslosigkeit Gott geschildert hat, weiß er, dass seine Worte nicht ungehört geblieben sind, obwohl er noch keinerlei Veränderung sehen kann. Noch hat sich nichts getan, aber David ist sich schon sicher, dass Gott ihn aus seiner fürchterlichen Situation befreien wird.

So dürfen auch wir zu hundert Prozent sicher sein: wenn wir Gott von unseren Sorgen und Ängsten erzählen, werden unsere Worte nicht ungehört bleiben. Gott möchte sich darum kümmern und ist vielleicht längst dabei, auch wenn wir noch keine Auswirkungen seines Handelns und noch keine Veränderung unserer Situation sehen können. Er erhört unsere Gebete und lässt sie nicht unbeachtet. Vertrauen wir darauf?

O.Greger